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portrait

Paul Mühlbauer der coolste 

paul mühlbauer

eine familie, wohl beim sonntagsspaziergang, der vater die hände auf den rücken gelegt, in leicht vorgeneigter haltung, die mutter die handtasche unter den arm geklemmt, das bebrillte mädchen die fäuste brav in den taschen und der bub legt den finger an den mund – psst - es heißt sich zusammennehmen. einem weinenden mädchen kullern nur so die tränen aus den augen, die runde stirn löst sofort eine reaktion auf das kindchenschema aus – süß - die dünnen beine in verzweifelter x-stellung stecken im breiten schaft bunter gummistiefel. eine dame in stöckelschuhen, minirock und hochgesteckter frisur führt ein auto an der leine äußerln und die aufgereihte fußballelf ist ein optischer gewinn, auch wenn sie aus verlierertypen besteht. ein bewegungsmelder aktiviert beim vorbeigehen der betrachter das erklingen der bundeshymne und die aufschrift des teams des gastgeberlandes verkündet: „we loose for you“. menschliche situationen aus dem alltagsleben – immer mit einer pointe, feiner ironie oder satirischem stachel.

was am ersten blick beim betreten des ateliers schon alleine durch die bunten farben lustig und fröhlich wirkt, wie sammelfiguren in überraschungseiern und cerealien für kinder, zeigt bei näherer betrachtung viel witz, hintergründigkeit bis hin zum zynismus, der sich erst nach und nach entschlüsselt. vor allem die little creatures, figuren von ca. 10-35 cm, wirken zunächst wie spielzeug. ihr gewicht im wahrsten sinn des wortes enthüllen sie, wenn man sie in die hand nimmt. sie sind überraschend schwer, handelt es sich doch um bronzegüsse, die aufwändig und liebevoll mit metallfarben bemalt sind. an dieser materialität zeigt sich schon die erste spannung, in der sich die plastiken paul mühlbauers bewegen. die gediegenheit der bearbeitung und die schwere des materials stehen in kontrast zur leichtigkeit der wirkung, die tatsächlich häufig in springenden oder schwebenden figuren visualisiert wird.

paul mühlbauer schloss ein volkswirtschaftsstudium (nationalökonomie) ab und studierte auch soziologie und politikwissenschaft. nach studienabschluss 1991 wendet er sich der intensiven beschäftigung mit der bildhauerei zu. im katalog, der arbeiten von 1990 – 1998 dokumentiert, schreibt er in seinem lebenslauf: „der wichtigste schritt in meinem leben war die überwindung der angst, ausschließlich das zu tun, für das ich mich berufen fühlte….“, nämlich sich der bildhauerei zuzuwenden. mittlerweile bestätigen seine erfolge, dass er sich richtig entschieden hat. er stellt in san francisco, los angeles, new york, arnheim, den haag, hongkong, und vielen anderen ländern aus. skulpturen befinden sich in privaten und öffentlichen sammlungen in nordamerika, westeuropa und asien. 

paul mühlbauer wird von den galerien sous terre in amsterdam und state of the arts gallery in hongkong vertreten. prominente kunstmessen wie art miami, palm springs international art, oder primavera in rotterdam sind nur einige orte, an denen paul mühlbauers arbeiten vertreten sind.

bewusste referenzen auf die kunst- und mediengeschichte finden sich bei paul mühlbauer in der serie rats, die ab 1995 entsteht. in eine kleine nachtmusik (1998) sitzt eine ratte auf dem ready-made einer erntegold – gemüsedose. noch eindeutiger werden die referenzen, als 2002 bei auguste tatsächlich warhols campbell soup und die denkerpose august rodins die skulptur konstituieren. die ratten zitieren die französischen kultur- und gesellschaftskritischen undergroundcomics von ptiluc, die mit literarischen, kulturgeschichtlichen und philosophischen bezügen arbeiten und beißende satiren voll mit schwarzem humor entwerfen. 

bemerkenswert ist nun, wie paul mühlbauer in seinen plastiken verschiedene ansätze integriert und gedanklich weiterentwickelt. so greift er die idee des „ready-made“ insofern auf, als er bei seinen modellen, die später für die negativform des abgusses dienen, reale gegenstände einfügt. über den umweg des ready-mades zeigt sich eine position, die eine kunstgeschichtliche genese nachzeichnet und anschließend verwandelt.

genauso spiegelt sich ein kunstgeschichtlicher entwicklungsprozess im materialmix der modelle. hier zeigt sich die gewandelte auffassung von werkstoffen, die die bildhauerei im 20. jahrhundert weg führte vom klassischen stein, holz oder auch bronze. über den umweg dieses materialmixes wird bronze wieder zu etwas völlig neuem, denn auch der betrachter muss einen weiteren erkenntnis- und wahrnehmungsweg einschlagen und wird letztendlich überrascht. so wird das material bronze zu einer zusätzlichen pointe, die den ikonisch-sematischen witz formal-ästhetisch weiterführt. 

überdies lässt bronze umsetzungen zu, die anders nicht machbar wären. so verleiht es selbst dünnen elementen stabilität, sodass beinahe schwebende figuren schwerelosigkeit suggerieren. 

insgesamt stellen die plastiken paul mühlbauers eine ästhetisch spannende und anregende position dar, die gleichzeitig viel vergnügen bereitet.

eva maltrovsky

 

paul mühlbauer

a family, taking a stroll on a sunday. the father folding his hands behind his back. the mother clutching her bag under her arm. the girl wearing spectacles and hiding her hands in her pockets. eventually the boy with his finger on his lips – shush! pull yourself together! tears are running down the girl’s cheeks. the sight of her babylike face, of thin legs in a desperate position inside extra large, colourful rubber boots immediately trigger off one reaction: how sweet! a lady in high heels, a mini skirt and an updo is walking her car on a leash, and the lined up football team adds to the visual effect – even though they are losers. passers-by activate a motion sensor and will hear the national anthem while the inscription of the host country team says: “we lose for you”. human situations in everyday life – always including a punch line combined with subtle irony and satire.

when first entering the studio the gaudy colours make the works seem jolly and amusing, just like collecting figures in chocolate eggs and cereals. but after having a closer look the humour, the subtleness as well as the cynicism become apparent. especially the little creatures – figurines of 10-35 cm – make a toylike impression. their actual weight reveals itself when holding them in your hand. they are surprisingly heavy, cast in bronze, lovingly and elaborately painted with metallic colours. their materiality basically reflects the tension of paul mühlbauer’s objects. their solidity and the weight of the material contrast with an appearance of lightness, frequently realized in figures that are in a state of suspense or actually jumping. 

paul mühlbauer has a degree in national economics, and he also studied sociology and political science. after his graduation in 1991 he turned to sculpting. in a catalogue listing his works from 1990 to 1998, he explains in his curriculum vitae: “the most important step in my life was overcoming the fear of doing just what I felt to be my vocation ...“ - namely becoming a sculptor. in the meantime his achievements have proved that he made the right decision. his works are exhibited in san francisco, los angeles, new york, arnheim, den haag, hongkong, and many other venues. his sculptures are part of public and private collections in north america, western europe, and asia. paul mühlbauer is represented by the galleries of sous terre in amsterdam and state of the arts gallery in hongkong. you will also find his works at fairs of contemporary art, like art miami, palm springs international art, and primavera in rotterdam.

references to the history of art and media are reflected in mühlbauer’s series rats, which he started in 1995. a rat is sitting on the ”ready-made” of an “erntegold”-tin, a piece of art titled eine kleine nachtmusik (1998). even more obvious is auguste (2002), when a combination of warhol’s campbell soup and august rodin’s the thinker build the basis for the sculpture. the rats stand for the french culture- and socio-critical comic strips by ptiluc. using literary, cultural historical and philosophical references, these comics create biting satires full of black humour.

the way paul mühlbauer integrates different approaches in his sculptures and develops them further is noteworthy. he takes up the concept of “ready made”, for instance, when he fits real objects into the models which function as negatives for the casts. making this detour of using the concept of “ready made” traces art historical genesis and subsequently transforms it.

another art historical development is reflected by the varied combination of materials that is being used for the models. this aspect illustrates the altered perception of materials, which led 20th century sculpting away from classic materials like stone, wood and bronze. in this way bronze will again be experienced as something new, since the viewer is forced to find another way to understanding and perception, and will eventually be surprised. thus bronze turns out to be an additional punching line, contributing to the charm of mühlbauer’s works.

besides, bronze allows shapes and structures that would not be possible otherwise. bronze gives fragile elements stability, suggesting weightlessness in nearly levitating figures.

all in all the sculptures of paul mühlbauer represent an aesthetically exciting and inspiring point of view, while at the same time being great fun.

eva maltrovsky

translated by mag. ulrike steiger. ulrike steiger studied english and hungarian in vienna.

 

 

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